Von Denis Kolic
Wir feiern heute die Geburt der Gottesmutter. Doch was bedeutet das für unseren Glauben, und was wissen wir über ihre Geburt? Warum ist es Katholiken überhaupt wichtig?
Maria ist die Mutter Jesu und damit die Mutter der zweiten Person der heiligen Dreifaltigkeit. Gott hat sie ausgewählt, um Jesus, unseren Retter und König, zu uns zu senden. Der Leib Jesu, der am Kreuz für unsere Sünden litt, kam durch Maria in die Welt. Man muss auch beachten, dass der Herr keinen leiblichen Vater hatte, da das Kind laut Lk 1,34–35 und Mt 1,18–20 durch den Heiligen Geist empfangen war (vgl. das sonntägliche Glaubensbekenntnis).
Man könnte noch viele wichtige Bibelstellen im Zusammenhang mit Maria, der Muttergottes, erwähnen, doch da wir den Rahmen hier nicht sprengen wollen, bleiben wir bei der Wichtigkeit ihrer Mutterschaft: Unser Erlöser hat seinen Leib von ihr allein empfangen.
Nun stellt sich die Frage: „Wunderbar – aber was wissen wir über ihre Geburt?“
Diese Frage ist berechtigt, denn die Bibel selbst schweigt zu diesem Thema. Es gibt jedoch eine alte Überlieferung, die das Dunkel über dieser Frage lichtet und uns Klarheit schenkt.
Der Glaube der frühen Christen
Was wissen wir also von ihrer Geburt? Wir haben eine frühe christliche Überlieferung aus dem 2. Jahrhundert (ca. 150 n. Chr.), die seit frühester Zeit im Volksglauben tief verankert ist.
Dieses Werk wird Protoevangelium des Jakobus genannt. Leser dieses Blogs kennen es bereits aus dem Beitrag zum Fest Mariä Opferung (21.11.) Man vermutet, dass es aus Palästina oder Syrien stammt und alte Überlieferungen enthält, die Einblicke in die Glaubenswelt der frühen Christen erlauben. Bemerkenswert ist, dass sich diese Volksfrömmigkeit in der gesamten Kirche wiederfindet. Sowohl in der Westkirche als auch in den Ostkirchen wird liturgisch der Großeltern Jesu gedacht: des heiligen Joachims und der heiligen Anna.
Doch was sagt uns diese alte Quelle über die Geburt der Gottesmutter? Kapitel 2 und 3 berichten von den Klagen der heiligen Anna über ihre Kinderlosigkeit – und dann geschieht das Unfassbare:
„Und siehe, ein Engel des Herrn trat hin und sprach: ‚Anna, Anna, Gott, der Herr, hat dein Gebet erhört. Du wirst empfangen und gebären, und deine Nachkommenschaft wird in der ganzen Welt gepriesen werden.‘ Und Anna sagte: ‚So wahr Gott der Herr lebt, wenn ich gebäre, sei es einen Sohn oder eine Tochter, werde ich es dem Herrn, meinem Gott, als Geschenk darbringen, und es wird ihm dienen alle Tage seines Lebens.“
[…] Und er (Joachim) ging aus dem Tempel des Herrn hinab, gerechtfertigt, und kam in sein Haus. Und es erfüllten sich ihre Monate – ungefähr sechs, aber im siebten Monat gebar Anna. Und sie sagte zur Hebamme: ‚Was habe ich geboren?‘ Und die Hebamme sagte: ‚Ein Mädchen.‘ Und Anna sagte: ‚Meine Seele wurde an diesem Tag erhoben.‘ Und sie legte sie nieder. Als aber die Tage erfüllt waren, reinigte Anna sich von ihrer Unreinheit, und gab dem Kind die Brust und gab ihr den Namen Maria.“1
So kam es laut dem Protoevangelium des Jakobus zur Geburt der Gottesmutter Maria. Wollen wir also dieses glücklichen Tages gedenken und uns freuen über unsere Königin und Mutter im Himmel!
- Protoevangelium des Jakobus, Kapitel 4 & 5 ↩︎